Mein Weg in und mit der Sexualität

Als mir als Jugendlichem beim Duschen wohlige Gefühle widerfuhren, hatte ich noch keine Ahnung, was jene zu bedeuten hatten, denn
a) war ich noch nicht aufgeklärt und
b) waren diese spielerischen Entdeckungen meines Körpers sehr unschuldig.

Während der Pubertät lernte ich diesen dann intensiver kennen. Ab und zu kaufte ich eine Jugendzeitschrift, in welcher mich die leichtbekleideten Frauen und alle Fragen rund ums Thema der Sexualität interessierten. Auch hätte mich der Erwerb von härterem Material gereizt, doch dafür war ich zu scheu und wahrscheinlich auch zu anständig, schliesslich wuchs ich in einem evangelischen Pfarrhaus auf.

Aufgeklärt wurde ich mittels eines Aufklärungsbuches, welches ich allerdings kaum beachtete, da ich davon ausging, infolge meines Bravo-Studiums bereits alles über Sexualität zu wissen. Nach der Matura schrieb ich mich an der Universität ein und begann ev.-ref. Theologie zu studieren. Glaubensfragen wurden dort zwar nicht beantwortet, dafür lief meine intensive Beschäftigung mit allem Körperlichen ungehindert weiter. Mit der ersten Freundschaft dachte ich, dass nun meine sexuellen Probleme gelöst wären, stattdessen fingen jene da erst an. Zwar zeigte ich mich meinen Partnerinnen bezüglich meines starken Triebes rasch ganz und offen, in der Hoffnung, dass dies Vertrauen schaffen würde, stattdessen fühlten sich jene dadurch eher verletzt. Die Selbstbefriedigung war mir wie zur Sucht geworden; einer Sucht nach Liebe und (sexueller) Erfüllung – entscheidenden Themen von Begleitung in der Sexualität.

Und auch glaubensmässig liess mich so vieles, was mir an der Uni oder in der Kirche angeboten wurde, relativ ratlos und leer zurück. Die grosse Erfüllung blieb auch da aus. Glücklicherweise durfte sich dies mit dem Entdecken des Geistigen Heilens für mich im Alter von 29 Jahren ändern. In Sachen Sexualität dauerte dies noch ein paar Jährchen.

Dort machte ich den Knopf erst in einem Tantra-Kurs auf, wo ich unter Anderem lernte, (noch) mehr auf mich und meinen Körper zu hören und mich hin und wieder auch für Dinge zu öffnen, welche sich mir nicht gleich von Beginn weg erschlossen, sprich, zu experimentieren. Rückblickend betrachtet, fand ich im Tantra wie den für mich benötigten Raum, (m)ein Ja zu mir als Wesen – auch und gerade im Sexuellen – zu bekommen, welches ausprobieren darf, mit allem, was es ausmacht, und dass dies(es) „in Ordnung“ ist.

Tantra lädt dazu ein, die Nähe und die Intensität des Lebens zu vertiefen und dabei die Sexualität nicht auszuschliessen, sondern meditativ zu integrieren. Meditation empfinde ich dabei als die Praxis des unmittelbaren (Präsent-)Seins. Dieses (Präsent-)Sein stellt unsere essentielle Natur dar. Meditation bewirkt dabei, all unsere Geschichten und Erfahrungen aus uns auszuleeren und uns damit, gemeinsam oder allein, in die Stille und den Raum der Ekstase, ob jene nun gerade heiss ist oder kalt, zu bringen.

Aus diesem Kurs entstand dann eine wundervolle Partnerschaft, in der wir uns während den ersten Jahren selbst genug waren; für mich damals der Himmel auf Erden. Aus mannigfachen Gründen folgten darauf schwierige (Beziehungs-)Jahre, bis ich mich mit Polyamorie auseinanderzusetzen begann, welche für mich Ausdruck wahrer Liebe sein kann; ganz und gar nicht leicht, aber vielversprechend. Auf alle Fälle deckt mir der Weg zur bedingungslosen Liebe meine Verhaftungen in Sachen Besitzdenken und Verlustangst auf; zwei Themen, mit denen ich mich bis dato nicht auseinandergesetzt hatte … Dieser Weg auf und zu mehr Liebe ist nicht abgeschlossen und wird es wahrscheinlich auch nie sein. Mich selber macht und hält er jedoch lebendig.